Um zu erklären wie ich zum Auslandstierschutz stehe und warum das so ist muss ich leider etwas weiter ausholen, vorweg möchte ich aber eins festhalten: Sachlicher, fairer Auslandstierschutz ist wichtig! Und genau da fangen die Probleme an.....aber lest selber:

Irgendwann kam leider der Tag an dem wir unseren treuen Begleiter Paul gehen lassen mussten. Der Schmerz und die Leere waren unfassbar und schnell kamen wir zu dem Entschluss, das es nur einen Sinn in Pauls ableben gab: Es ist ein Platz freigeworden für einen neuen Hund. Ein geretteter sollte es sein, einer aus dem Tierschutz, groß und nicht zu jung. Und so kamen wir zu Yoda, angepriesen als Schäfer/Husky Mischling, gerettet von einer Müllkippe, leider unbedacht gerettet und jetzt zur Abgabe aus einer 3 Zimmer Wohnung in Delmenhorst schnell zu vermitteln.
Ich setzte mich also ins Auto, fuhr nach Delmenhorst und vor einem Bunkerbau kam die Dame mit dem Zottel an. Natürlich der beste, liebste Hund der ganzen Welt, ein wahrer Kuschelbär, verträglich mit allem und jedem, nur hatte man jetzt keine Zeit mehr und musste ihn schweren Herzens abgeben. Ab diesem Punkt beging ich so ziemlich jeden Fehler, den man machen kann. Ich hatte Mitleid, legte eine, nicht unbeträchtliche Summe, auf den Tisch und hatte den vermeintlich neuen Traumhund an meiner Seite. Auch Luna schien gut zufrieden. Zu Hause stellte ich etwas Futter hin und der Spaß ging los. Ohne Vorwarnung griff Yoda meine Luna an und das nicht zimperlich. So was kannte ich bisher nicht und ich war arg verunsichert, aber mein Gott, was sollte der Hund machen, er hat ja auf einer Müllkippe gelebt und musste immer um sein Futter kämpfen, wenn er erst mal merkt das es genug gibt, wird sich das schon legen....Wir posteten natürlich Fotos über unseren neuen Begleiter und auf einmal bekamen wir Meldung einer Tierschutzorganisation, die die Hunde hergeschafft hatten, mit der Frage was der Hund bei uns macht, er wäre doch an Frau .....vermittelt gewesen und sie hätte ihn gar nicht abgeben dürfen. Die Dame schaltete sich ein mit den Worten: *was sollte ich machen, der hat meinen kleinen Sohn gebissen als er ein Butterbrot in der Hand hatte*.....soviel zum liebsten verträglichsten Hund der Welt. Die Tierschutz Damen wollten den Hund wieder abholen, konnten es dann aber nicht, da sie einfach nur ein paar Damen waren, die unbedacht alles Mögliche gerettet hatte und weder über finanzielle Mittel, noch Unterkünfte verfügte, also durften wir Yoda behalten.

Unser nächster Weg ging dann in die Hundeschule meines Vertrauens, und voller Stolz berichtete ich über meine gute Tat, diesen armen Hund, der auf einer Müllkippe aufgewachsen war, nach Deutschland verschleppt in eine 3 Zimmer Wohnung mit 2 weiteren Hunden, alleinerziehenden Mutter mit Kleinkind, gerettet zu haben. Der Orden war mir doch bestimmt sicher! Nö, ich bekam keinen Orden sondern erstmal eine Aufklärung darüber was mein vermeintlicher Schäferhund/Husky Mix denn tatsächlich war. Herzlichen Glückwunsch Frau Mensch: Du hast ab heute einen waschechten Sarplaniac (Herdenschutzhund) an Deiner Seite. Okay dachte ich, der kämpft im Regelfall gegen Bären und wird ein toller Beschützer, komm ich doch super mit klar, ich hatte ja schon Hunde, kann ja so schwer nicht sein......Es war nicht nur schwer, es war für mich zum damaligen Zeitpunkt und mit meinem damaligen Wissen einfach nicht machbar. Die Futteragression wurde immer schlimmer und Luna schlich nur noch durchs Haus, sobald sie nur am Teppich schnüffelte stürzte er sich auf sie, denn es könnte ja was zu fressen da sein. Ich dachte über Management nach und wie ich die Hunde dauerhaft trennen könnte, doch die Stimmung bei uns wurde immer schlimmer. Ich brachte Yoda jeden Morgen in die Pension und holte ihn Abends wieder ab, da ich Angst hatte die beiden Hunde alleine zu lassen. Und es kam schlimmer, denn der *Kleine* wurde größer und auch ich hatte Angst vor ihm wenn Fressen ins Spiel kam oder er meinte das das Sofa ganz klar seins ist. Mein Mann tat das einzig richtige um dem ganzen ein Ende zu setzen, er entschied, das Yoda nicht bleiben konnte.

Ich hasste meinen Mann für die Entscheidung und mich hasste ich noch mehr, da ich nicht in der Lage war ein homogenes Team zu bilden. Und ich fühlte mich als Versager und als Verräter, denn nur schlechte Menschen geben ein Familienmitglied ab! In Wirklichkeit wollte ich nie wieder etwas mit Hunden zu tun haben, denn ich hatte Angst und ich fühlte mich so elendig und so unbrauchbar wie selten zuvor.

Was nun? Tierheim kam für mich nicht in Frage, die Organisation war (ausser das sie mir Vorwürfe machte) keine Hilfe also, blieb nur die Entscheidung ihn erstmal in der Pension und Hundeschule zu parken und von dort aus zu vermitteln. Wir führten Gespräche und wir kamen überein das es okay war. Judith aus der Hundeschule und Pension Pfote nahm ihn auf, ich war so oft wie möglich da und wir arbeiteten gemeinsam mit Yoda, der bis auf seine Futteragression wirklich toll war, aber halt auch einen Job brauchte, der ihm und seinen Ansprüchen und natürlichem Charakter gerecht wurde. Wir haben einen ehrlichen Vermittlungstext für Yoda geschrieben in dem wir alle seine Macken mit aufgeführt haben und ca. 3 Monate später ist er umgezogen zu einem Mann der sich mit Herdenschutzhunden auskennt und der eine Firma in der Nähe hat. Yodas Job heute: Liebling aller Schlosser, Bewacher eines 1ha großen Baugeländes. Er hat Hundekontakte, sozialen Anschluss an Menschen und einen Job den er liebt und der ihn auslastet. Besser  hätte es nicht laufen können, doch nicht alle nach Deutschland vermittelten Hunde, die falsch deklariert sind, erwartet so ein Happy End und nicht alle Menschen, die so blauägig sind/waren wie ich, in der besten Absicht gutes zu tun, kommen so gut aus der Nummer raus und wenden sich nicht komplett von Tieren und vor allem vom Tierschutz ab, denn was so eine Abgabe mit einem Menschen seelisch macht ist wirklich krass und ich wünsche es keinem. Leider liest man immer nur von den Menschen bei denen es geklappt hat, die Menschen die eine falsche Vermittlung hatten melden sich eher weniger und ich kann es verstehen, denn auch mir fällt es nicht leicht über meine größten Irrtümer zu schreiben und mich so vor Euch zu entblössen. Da mir das Thema aber zu wichtig ist gehe ich diesen Weg in der Hoffnung mit Aufklärung meinen Teil betragen zu können.

Wie ich heute zum Tierschutz stehe, warum ich mich nicht den Tieren abgewandt habe und vieles mehr lest Ihr in der nächsten Folge von: Abgeschminkt: Die Sache mit dem Auslands Tierschutz.

Ich freue mich auf Euch - Eure Frau Mensch